der Ursprung der "Schoßraummassage"
und der persönliche Weg von Tatjana Bach
Heutzutage leben wir in
einer männlich orientierten Gesellschaft. Ich nenne „männlich“ im Sinne von
Yang aus der taoistischen Philosophie, die davon aus geht, dass Leben immer ein
Wechselspiel zwischen dem männlichen Aspekt, eben dem Yang und dem weiblichen
ist: dem Ying. Leben ist Spiel und Ausdruck dieser Aspekte mit einander. Sind
sie im Verhältnis und Wechselspiel zueinander ausgeglichen, so ist Leben in
Harmonie. Sind sie es nicht, so entsteht Einseitigkeit im Sinne von
Disharmonie.
Ich meine mit der „männlich
orientierten Gesellschaft“ nicht, dass Männer schlecht sind. Bitte verstehen
Sie mich nicht falsch.
Doch unser Leben gestaltet sich heutzutage sehr
einseitig, nämlich "männlich" im Sinne von Yang: zielorientiert und
leistungsorientiert. Das weibliche Prinzip ist seit Jahrtausenden in den
Hintergrund gerückt und kann nicht mehr für den Ausgleich sorgen, wie da wäre: gewähren
zu lassen, ankommen zu lassen, zu genießen, zu nähren oder einfaches,
schlichtes Sein.
Im Gegenteil, Frauen, auf natürlicher Weise eben mehr
Trägerinnen vom Aspekt Ying, wurde das Leben besonders schwer gemacht, als
Auswirkung der heutigen Disharmonie.
Noch heutzutage werden
jährlich schätzungsweise 2 Millionen Frauen und Mädchen genital verstümmelt,
dass sind 6000 täglich, bzw. jede Minute 4 Mädchen und Frauen, teilweise erst 3
Jahre alt. Aber wir müssen nicht so weit reisen, denn im deutschen Lande z.B. lassen
uns Statisten des Bundeskriminalamtes zu tiefst erschrecken, nämlich wenn es um
den sexuellen Missbrauch an Mädchen geht: jedes Jahr werden laut dieser
Statistik 15.000 Mädchen unter 14 Jahre alt sexuell missbraucht. Und die Dunkelziffer
ist erschreckend höher: hier unter uns in Deutschland wird laut Dunkelziffer
jedes 4. Mädchen sexuell missbraucht und jeder 8. Junge.
Die Auswirkungen begleiten
die Betroffenen ein Leben lang. Missbrauchsopfer sind seelisch verstümmelt. Ein
gesunder, unbedarfter, unschuldiger Weg hin zu der eigenen weiblichen
Sexualität ist versagt. Ein wenig später möchte ich darauf eingehen, welch
wunderbare Kraftquelle eine normal sich entwickelte, weibliche Sexualität für
die Frau bedeuten kann. Gleichwohl ist aber auch hier Heilung, im Sinne von
trotzdem eine schöne erwachsene Sexualität haben zu können, möglich!
Doch wir müssen gar nicht in
die Abgründe der Gesellschaft schauen, um weitere Missstände bzgl. der eigenen
weiblichen Identität, die die eigene Sexualität auf natürliche Art und Weise
mit einbezieht, zu finden. Hier wirken gesellschaftliche und moralische Tabus,
die die Natürlichkeit in unserem Frausein mit allen Aspekten, auch mit
einer Yoni, einem Geschlecht verhindern.
Heutzutage suchen immer mehr Frauen
das "Komplettwerden als Frau" und wollen eine Art Heilung für sich durchlaufen, die sie als sexuelles Wesen miteinbezieht. Diesen inneren Prozess dieser Frauen nenne ich
heute: den Schoßraum-Prozess, als eine Art Initiation in ein neues weibliches
Sein und Bewusstsein.
Das Ying macht sich wieder auf und will wieder mehr in
dieser Welt zu wirken und ich freue mich sehr darüber!
Anhand meines eigenen
Lebenslaufes möchte ich Ihnen nun berichten, wie so ein Schoßraum-Prozess
aussehen kann. Ich selbst wurde von einem
nahen Verwandten als Kind zwischen meinem 9. und 12. Lebensjahr sexuell missbraucht.
Meine Erinnerungen als 14jährige daran waren rar, aber immerhin ich hatte
Erinnerungen und ich wusste damals schon, dass ich davon „einen Knacks weg
hatte und nicht eher ruhen wollte, bis ich diesen Knacks los war“ so meine
Worte als 14jährige einer Freundin gegenüber.
Als 18jährige sagte ich mich los
von der Verwandschaft. Ich war zu jung und der Start war schwer: Ich begann Drogen zu nehmen, trank viel und war
autoagressiv. Oft wünschte ich mir „meine Brüste abhacken zu
wollen und da unten das zubetonieren zu wollen“. Ich hasste es eine
Frau zu sein! Denn Frau sein bedeutete ohne Schutz dem männlichen Übergriff
ausgesetzt zu sein.
Als 18jährige begann ich meine erste Therapie. Nach
längerem Suchen fand ich einen geeigneten Psychologen für mich, denn
als wir in den Achtzigern noch eine Zeit hatten, wo der Ödipuskomplex immer noch
Salonfähig war, war er einer der Ersten, der mir nicht sagte, ich hätte es als
9jährige ja selbst gewollt. Er glaubte mir, dass ich es nicht gewollt
hatte.
Zeitgleich schrieb der Spiegel das erste
Mal einen Leitartikel zum Thema „Väter als Täter“ und das Tabu wurde langsam
gelüftet. Ich ließ mich von Wildwasser in Berlin inspirieren und gründete noch
als 18jährige die erste Selbsthilfegruppe für in der Kindheit sexuell
missbrauchte Frauen. Was tat es gut, als wir zusammen kamen! Nach wie vor trägt
mich heute der Ansatz von Selbsthilfegruppen, also Gleichgesinnte zu finden,
sich auszutauschen, sich gegenseitig zu inspirieren neues zu wagen und
füreinander da zu sein. Dieser Geist weht noch heute in meinen Gruppen: der
Geist von Gleichgesinntheit, nach dem Motto: Wenn ich bestmöglich meine Grenzen
wahre, kann ich im Schutz der Gruppe Gleichgesinnter auch einmal neues wagen,
um somit vielleicht neue, heilsame Erfahrungen zu machen. Aber auch dazu später
mehr. So machte ich in den Achtzigern Therapien, Selbsthilfegruppen,
Selbsterfahrungsgruppen und immer wieder Frauengruppen.
Anfang der neunziger fühlte
ich mich ein Großteil genesen. Ich war nicht mehr autoaggressiv und hatte mich
emotional so durchgearbeitet, dass ich dem Täter vergeben hatte. Ich war
an einem Punkt, wo ich das Gefühl hatte geistig, seelisch und emotional frei
von der Vergangenheit zu sein. Doch körperlich fühlte ich mich nach wie vor verletzt, besetzt,
fremdbestimmt. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass ich hier noch
Arbeit zu tun hätte. Zum Beispiel konnte keiner mir eine Hand auf mein Bein
legen. Geschah das so tat es sofort so weh, als ob 1000 Ameisen mich zeitgleich
beißen würden. Berührte mein Freund im Liebesspiel aus Versehen meine Beine, so
rief es aus mir heraus: Nein! Und ich hatte das Gefühl, nicht ich heute habe
das gesagt, sondern vor ganz langer Zeit hätte es gesagt werden wollen und das
war auch verständlich. Also begann ich wieder mich auf die Suche zu machen nach
einer passenden Therapieform und Mitte der Neunziger begegnete ich der
Tantramassage, als einzige Massagetechnik, die die Yoni nicht ausklammerte. Und
daran galt es für mich zu arbeiten, hier an meiner Yoni hatte der Übergriff
statt gefunden, hier suchte ich Heilung!
Also machte ich mich auf das
Yonimassage-Ritual zu lernen. Und sofort wusste ich, dass ich hier den Schlüssel gefunden hatte, der
mir noch fehlte: körperlich am „Ort des Geschehens“ zu lösen, was zu lösen war.
In meinem Falle steckten bis in die Zellen hinein noch die alten Informationen
des Übergriffs und die galt es liebevoll wieder zu lösen. Bis dahin hatte ich
mich über die Jahre hinweg immer wieder sagen hören: „Das kann doch nicht wahr
sein, dass ich immer noch mit dem Übergriff beschäftigt bin, so als ob es mein
Lieblingshobby wäre. Das muss doch mal ein Ende haben. Ich muss doch mal damit durch
sein!“ Und im Nachhinein kann ich heute feststellen, dass die Yonimassage das
letzte Teil des Puzzels war, was mir dazu gefehlt hatte. Mit zwei Freundinnen, die
auch diese Massage gelernt hatten, traf ich mich nun regelmäßig zum Austausch. Von
einer Sitzung möchte ich besonders erzählen, denn die dort von mir gemachte
Erfahrung, ließ mich einen neuen Begriff kreieren, den es bis dahin nicht
gegeben hatte: anstatt Yonimassage „Schoßraum-Massage“.
Meine Freundin kam für ein
Wochenende zu mir. Am Samstag massierte ich sie, am Sonntag sollte ich massiert
werden. Es war Sonntag früh und wir gingen noch zusammen spazieren. Sie ging
mir zu schnell, zu laut, war mir zu nah, schlichtweg, sie ging mir gehörig auf
den Geist. Nun waren wir beide schon so bewußt, dass wir wussten es mit
Widerständen zu tun zu haben und meine Freundin sagte noch: „Das freut mich
sehr! Das heißt, dass wir heute ganz nah dran sind!“ und entgegen meinem
„eigentlichen“ Wunsch nur weit weg und allein sein zu wollen, begangen wir die
Massage für mich. Sie war sehr liebvoll und massierte meinen ganzen Körper und als
sie an meine Beine gelangte kam es gewaltig aus mir heraus: „Nein, ich will nicht an der Yoni berührt werden!“
und sie blieb mit einer Hand auf meinem Venushügel und mit der
anderen Hand strich sie sanft und langsam immer wieder meine Beine hinunter und
ich schluchzte und weinte voller Dankbarkeit: endlich mal nicht berührte werden
zu müssen! Es ist gut, so, wie es ist, wir hatten uns zwar für eine Yonimassage
verabredet, aber mein Nein wird respektiert und darf da sein! Was für eine
Erleichterung!
Das war der Wendepunkt in
meinem Leben. Seit dem fühle ich mich wirklich frei, geistig, seelisch und körperlich.
Ich war dort angelangt, wofür ich mich vor ca. 18 Jahren aufgemacht hatte
hinzugelangen.
Gleichzeitig war das der
Wendepunkt für mein „Yonimassage-Angebot“. Seit dem gebe ich nur noch
Schoßraummassagen. Der Schoßraum fängt bei mir an den Haarspitzen an und endet
an den Fußspitzen, sage ich gerne. In der Schoßraummassage muss die Yoni nicht
berührt werden, kann sie aber, wenn es denn stimmig ist. Das ist der
Unterschied zwischen diesen beiden Massageformen.
Heute arbeite ich als
sexualpädagogische Lebensberaterin und Gruppenleiterin und gebe mein Wissen an
andere Frauen weiter. Und es wäre zu viel zu sagen, ich bin dankbar für das was
mir passiert ist, aber ich kann sagen: Ich bin in Frieden mit dem was passiert
ist. Ich wäre heute nicht die, die ich heute bin: eine Frau, die sich viel und
intensiv mit ihrer Sexualität auseinander gesetzt hat und ein gutes Stück weit wieder
heil werden konnte. Ich kann sagen heute in meinem Schoß wieder beheimatet zu
sein und bin zutiefst glücklich darüber.
Immer mehr Frauen machen
sich auf sich in ihrem Schoß wieder zu beheimaten.
Immer mehr erahnen sie, was es heißt mit einem erwachten Schoß in der Welt zu
sein. Eine Frau, die mit ihrer Yoni wieder verbunden ist, ruht in der ihr gegebenen
Quelle der Lebenskraft. Diese Kraft trägt sie weich und sanft. Die im Schoß
beheimateten Frauen müssen sich nicht behaupten, Leistung erbringen oder Ziele
ohne Blick auf das Wohl des Ganzen durchsetzen. Diese Frauen fühlen mit und haben so Mitgefühl
und ein Auge für das Wohl aller. Aus dieser höheren Perspektive bringen sie
sich sanft ein und eine natürliche Autorität und Souveränität entsteht. Beheimatung im Schoß schenkt der
Frau Würde und Kraft. Unser Schoß ist eine nie versiegende, wunderbare
Kraftquelle.
Sind wir wieder mit der Quelle weiblichen
Seins verbunden, schöpfen wir Frauen aus ihr Kraft und Freude für unser Leben. Wenn die Quelle wieder in uns
fließt, dann reicht der Schoßraum „von den Fußspitzen bis zu den Haarspitzen“
und darüber hinaus in unsere Lebenspraxis hinein. Die Quelle beschenkt uns mit
Intuition und tiefem weiblichen Wissen, mit großer Empfänglichkeit und
Sanftmut, mit weicher Autonomie und mit souveräner Würde als Frau.
Meine Vision für die (Frauen)Welt: Mögen sich immer mehr Frauen inspirieren lassen und sich aufmachen miteinander zu erforschen, was denn wirklich gut tut und was Frau wirklich braucht, damit sie sich intim berühren lassen kann, um im Zentrum ihrer Kraft wieder ganz anzukommen. Geheilte Schöße/Frauen in ihrer weiblichen Kraft und Würde werden mitfühlender, intuitiver, souveräner, mit der Erde mehr verbunden, das Leben(dige) erhaltend und dem Leben(digen) dienend, schlichtweg liebend! Genau das, was individuell und kollektiv und allumfassend heutzutage von dieser Welt so dringend gebraucht wird!
Herzlich willkommen
in der neuen Frauenschaft!
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